DARC und Integration von Menschen mit Behinderung

Ja, ich bin ausgetreten, schon Anfang des Jahres.

Gründe, um aus dem DARC auszutreten können vielfältig sein. Der immens hohe Mitgliedsbeitrag bei einer eher schwachen Gegenleistung hat vor gut einem Jahr zu heftigen Diskussionen unter den Mitgliedern geführt; Personalentscheidungen mit dadurch verbundenen hohen Kosten (Entlassung Geschäftsführerin, 200.000 € Abfindung) sorgten für Verstimmungen; Distriktsvorsitzende, die nicht den Auftrag der Distriksversammlung in die Hauptversammlung weitertragen, sondern dennoch nach eigenem Gutdünken abstimmen, sind ein Ärgernis. Dazu kommen noch die vielen kleinen organisatorischen Schwierigkeiten, die sich ebenfalls aufsummieren.

Das sind jedoch alles Nebenschauplätze, die vielleicht in meine Entscheidung mit eingeflossen sind, der Hauptgrund liegt jedoch ganz woanders. Meine lizenzierte XYL ist schwer an MS erkrankt, sie ist auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Vielleicht ist sie nicht so die begeisterte Funkamatöse, aber wir machen zusammen gerne Outdoor-Funk-Aktivitäten. Flora + Fauna, Bergfunk, Islands on the Air … wo es eben geht.

Zum Beispiel haben wir gemeinsam den Wurmberg und den Brocken erklommen, waren von Nordseeinseln qrv, Flora+Fauna sowieso. Durch befreundete Funkamateure sind wir auf „COTA – Castles on the Air“ gekommen und haben einige Burgen aktiviert. In der näheren Umgebung unseres Heimatortes liegen etliche Burgen und Schlösser, die sogar fußläufig zu erreichen wären; leider ohne COTA/WCA Referenz. Also habe ich den COTA-Koordinator des Distriktes Nordsee angeschrieben und um die Vergabe von Referenznummern gebeten.

Zu meiner Überraschung wurde mein Wunsch mit der Begründung abgelehnt, dass es noch viele nicht-aktivierte COTA/WCA-Referenzen gäbe. Ich gab dem COTA-Koordinator zu bedenken, dass meine Frau auf den Rollstuhl angewiesen ist und da diese „vielen“ Burgen nicht in unserer Region liegen, ist es immer mit viel Umstand verbunden, eine Fahrt mit dem PKW zu machen – außerdem heißt es schon unter Punkt 3 im Leitbild des DARC:

Amateurfunk ist der Weg, um

● Menschen mit Behinderung zu integrieren,

Die Antwort fiel so aus: dass mit meiner Frau täte dem COTA-Koordinator leid, aber solange er es zu sagen hätte, werde es so gemacht wie er es will und es werden keine neuen Referenzen in unserer Region eingerichtet. Wir könnten die Burgen ja auch ohne Referenz aktivieren.

Wow – über soviel soziale Kompetenz kann man sich nur verwundert die Augen reiben! Wo – bitteschön – ist hier die Integration von Menschen mit Behinderung? Diese „sensible“ Antwort schlägt ein wie ein Streitkolben auf den Harnisch (mittelalterliche Gebäude, mittelalterliche Einstellung). Wem tut es weh, ob es einige Referenzen mehr in Deutschland gibt?

Gleiches Spiel übrigens mit dem COTA-Koordinater Westfalen-Nord (N): es gäbe genug Referenzen.

Einige kleine Dinge mehr in dieser Angelegenheit haben mich zum Entschluss gebracht: Integration von Menschen mit Behinderung und DARC = Lippenbekenntnis. Die Kündigung ging nach Baunatal.

Dem DARC Vorsitzenden habe ich ausführlich meinen Austrittsgrund mitgeteilt und Verbesserungsvorschläge gemacht, nachdem mir vom DARC bescheinigt wurde, ich würde nun nicht mehr zur Gemeinschaft der deutschen Funkamateure gehören (so ein Vokabular erinnert mich eher an religiöse Sekten. Übrigens, nur etwa die Hälfte der deutschen lizenzierten Funkamateure ist Mitglied im DARC). Der arme Kerl meldete sich per E-Mail, dass er mit der HAM Radio Messe sooooo viel zu tun hätte und später darauf zurückkommen würde.

Aha – inzwischen haben wir September 2015 …

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