Mama – was macht der Mann da?

Zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026

Nein, das sind keine wissenschaftlichen Untersuchungen, hier wird auch nichts gemessen und Geocaching ist das schon gar nicht. Denn hier funkt’s.


Amateurfunk: Ein spannendes Hobby für Menschen jeden Alters, das Technik, Kommunikation, Natur, Reisen und manchmal auch Sport miteinander verbindet.

Und das Besondere daran: Für eine direkte Funkverbindung braucht man weder Mobilfunknetz noch Internet. Zwei Funkgeräte, zwei Antennen und die Physik dazwischen genügen.


Ein sehr anschauliches Video von Michael (DL2YMR) über Amateurfunk:


Was ist Amateurfunk eigentlich?

Amateurfunk ermöglicht es, mit Menschen auf der ganzen Welt direkt per Funk in Kontakt zu treten. Mal ist die Gegenstation nur ein paar Kilometer entfernt, mal sitzt sie am anderen Ende Europas oder auf einem anderen Kontinent.

Dabei geht es aber nicht nur darum, miteinander zu sprechen. Amateurfunk ist ein riesiges Experimentierfeld. Man beschäftigt sich mit Funktechnik und Antennen, probiert unterschiedliche Betriebsarten aus, baut eigene Geräte oder Zubehör und lernt ganz nebenbei eine Menge über Elektronik, Computertechnik und die Ausbreitung von Funkwellen.

Andere reizt vor allem der Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern, das Sammeln seltener Länder und Gebiete, die Teilnahme an Wettbewerben oder einfach die Frage:

Wen kann ich heute mit meiner kleinen Funkstation erreichen?


Wie weit?

Wellenausbreitung
Wellenausbreitung

Wie weit eine Funkverbindung reicht, hängt von der verwendeten Frequenz, der Antenne, der Sendeleistung und den jeweiligen Ausbreitungsbedingungen ab.

Manchmal sind es nur wenige Kilometer. Unter günstigen Bedingungen reichen dagegen schon wenige Watt Sendeleistung und ein Stück Draht als Antenne für Verbindungen über mehrere tausend Kilometer.

Genau diese Unberechenbarkeit macht einen Teil der Faszination aus.

Funkamateure gibt es nahezu überall auf der Welt: in Europa ebenso wie in der Antarktis, auf kleinen Pazifikinseln oder unterwegs auf einem Berg im Sauerland. Selbst die Internationale Raumstation ISS hat Amateurfunk an Bord. Außerdem kreisen Amateurfunksatelliten um die Erde, über die ebenfalls Funkverbindungen möglich sind.


Warum sitzt der Mann mit einem Funkgerät auf dem Berg?

Amateurfunk findet längst nicht nur im heimischen Funkzimmer statt.

Viele Funkamateure packen ein kleines Funkgerät, einen Akku und eine leichte Antenne in den Rucksack und gehen damit nach draußen. Gefunkt wird von Bergen, aus Naturparks, von Inseln, an Seen, von Stränden oder Leuchttürmen.

Dafür gibt es weltweit zahlreiche Aktivitätsprogramme. Bei GMA und SOTA werden beispielsweise Berge aktiviert, bei POTA und WWFF Natur- und Schutzgebiete. Daneben gibt es Programme für Inseln, Leuchttürme, Seen, Strände und viele andere interessante Orte.

Die Funkamateure unterwegs nennt man häufig Aktivierer. Andere Funkamateure versuchen, diese Stationen zu erreichen und einen Funkkontakt mit ihnen herzustellen.

So wird Amateurfunk zu einer interessanten Mischung aus Technik, Funk, Natur, Reisen und Bewegung.

Und manchmal steht dann eben jemand mit einer Angelrute, einem Draht und einem kleinen schwarzen Kasten mitten auf einem Berg.

Nein, der angelt nicht. Der funkt.


Einsteigen ist einfacher geworden

Einen „Amateurfunkanschluss“ kann man allerdings nicht einfach bestellen.

Wer selbst senden möchte, benötigt eine Zulassung zum Amateurfunkdienst und ein persönliches Rufzeichen. Voraussetzung dafür ist eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur.

Seit 2024 gibt es in Deutschland drei Amateurfunkklassen: N, E und A.

Die neue Klasse N ist speziell als Einstieg in den Amateurfunk gedacht. Mit ihr darf bereits auf dem 10-Meter-, 2-Meter- und 70-Zentimeter-Band gefunkt werden.

Wer später mehr Möglichkeiten, weitere Frequenzbereiche und höhere Sendeleistungen nutzen möchte, kann zur Klasse E und schließlich zur Klasse A aufsteigen.


Ich will auch funken! Was muss ich tun?

Für die Amateurfunkprüfung werden Kenntnisse in drei Bereichen benötigt:

  • Technische Kenntnisse – zum Beispiel Grundlagen der Funktechnik, Antennen und Wellenausbreitung,
  • Betriebliche Kenntnisse – also wie Funkverkehr durchgeführt wird und welche Regeln dabei gelten,
  • Kenntnisse von Vorschriften – die wichtigsten gesetzlichen und internationalen Bestimmungen des Amateurfunks.

Keine Angst: Niemand muss dafür vorher Elektrotechnik studiert haben.

Gerade die Klasse N wurde geschaffen, um einen leichteren Einstieg zu ermöglichen. Für Klasse E werden erweiterte technische Kenntnisse verlangt, Klasse A bietet schließlich die umfangreichsten Möglichkeiten im Amateurfunk.

Man kann sich selbstständig auf die Prüfung vorbereiten oder einen der angebotenen Amateurfunkkurse besuchen. Viele Ortsverbände des Deutschen Amateur-Radio-Clubs e.V. (DARC) und des Verbandes der Funkamateure in Telekommunikation und Post e.V. (VFDB) bieten Unterstützung, Ausbildung und ein aktives Vereinsleben.

Die aktuellen Prüfungsfragen, Informationen zu den Amateurfunkklassen und Prüfungstermine veröffentlicht die Bundesnetzagentur.

Nach bestandener Prüfung kann die Zulassung zum Amateurfunkdienst mit einem persönlichen Rufzeichen beantragt werden.

Und dann darf es endlich heißen:

CQ, CQ, CQ – allgemeiner Anruf!


Und was macht man so als Funkamateur?

Eigentlich müsste die Frage lauten: Was kann man nicht machen?

Die klassischen Betriebsarten sind Sprechfunk und Telegrafie, also Morsefunk. Aber Amateurfunk bietet heute wesentlich mehr.

Man kann digitale Betriebsarten wie FT8 und FT4 nutzen, Bilder übertragen, Computer und Funkgeräte miteinander verbinden, über Satelliten funken oder mit SDR-Technik ganze Frequenzbereiche auf dem Bildschirm beobachten.

Manche Funkamateure möchten möglichst viele Länder erreichen, andere sammeln Funkkontakte mit Inseln, Bergen, Naturparks oder anderen besonderen Orten. Wieder andere nehmen an Amateurfunkwettbewerben teil oder interessieren sich hauptsächlich für Selbstbau und technische Experimente.

Auch die klassische Kurzwelle hat nichts von ihrer Faszination verloren. Mit vergleichsweise kleinen Antennen und geringer Leistung sind unter günstigen Bedingungen weltweite Funkverbindungen möglich.

Auf UKW und höheren Frequenzen gibt es ebenfalls viel zu entdecken. Das 2-Meter-Band bei 145 MHz und das 70-Zentimeter-Band bei 430 MHz werden beispielsweise für direkte Verbindungen, Relaisfunk, digitale Betriebsarten und Satelliten genutzt.

Portable Digital Setup
Portable Digital Setup

Das Schöne am Amateurfunk ist seine Vielfalt. Niemand muss alles machen oder können.

Man sucht sich einfach den Bereich aus, der einen interessiert. Und meistens kommt irgendwann noch ein weiterer dazu.


Amateurfunk ohne Internet?

Ja.

Natürlich nutzen Funkamateure heute Computer, Internetdienste, Online-Logbücher, Karten und viele andere moderne Hilfsmittel.

Die eigentliche Funkverbindung zwischen zwei Stationen kann aber völlig unabhängig davon stattfinden.

Kein Mobilfunknetz, kein Provider und kein zentraler Server transportiert das Gespräch. Das Funksignal verlässt die eigene Antenne und erreicht direkt die Antenne der Gegenstation.

Gerade in einer Zeit, in der fast jede Kommunikation über eine technische Infrastruktur im Hintergrund läuft, ist das immer noch etwas Besonderes.


Freunde auf der ganzen Welt!

Amateurfunk verbindet Menschen über Ländergrenzen hinweg.

Bei einem allgemeinen Anruf weiß man vorher nie genau, wer antworten wird. Vielleicht ist es ein Funkamateur aus dem Nachbarort, vielleicht jemand aus Spanien, Kanada, Japan oder Australien.

Dabei ergibt sich ganz nebenbei auch ein gutes Training für Fremdsprachen. International wird häufig Englisch verwendet, aber Funkkontakte sind natürlich in jeder Sprache möglich, die beide Gesprächspartner verstehen.

Und manchmal bleibt es nicht bei einem kurzen Funkkontakt. Aus Begegnungen über Funk sind schon viele persönliche Bekanntschaften und Freundschaften entstanden.


Links

Wer jetzt neugierig geworden ist, findet hier weitere Informationen:


Einige Funkkontakte aus aller Welt

Die klassischen QSL-Karten sind Bestätigungen für Funkverbindungen. Diese hier erinnern an einige meiner Kontakte rund um den Globus:

 

5U7Y aus dem Niger
5U7Y aus dem Niger

J28JY aus Dschibuti
J28JY aus Dschibuti

ER0WW aus Moldawien
ER0WW aus Moldawien

CN2AW aus Marokko
CN2AW aus Marokko

BY5RA aus China
BY5RA aus China

VP8BKT von den Falklandinseln
VP8BKT von den Falklandinseln

 

Eine Antwort auf „Mama – was macht der Mann da?“

  1. Hallo,
    vielen Dank für die Ausführungen über UNSER Hobby.
    Eine Sache kam meines Erachtens nicht zur Sprache:
    Das Positive für einen allein lebendenten Menschen, die Funkverbindung ist für diese menschen, wie auch für mich selbst, der Familien Ersatz, derweil hier die Kommunikation im Vordergrund steht, im Gegensatz zum TV Schauen (Einseitigkeit)
    der, der Familie hat, hat seine sprachliche Umgebung, direkt.
    Das Gefühl, mit anderen zu Sprechen ist, aus der Einsamkeit heraus zukommen.
    Es sind nicht, wie schon erwähnt, die Kontakte,(59QRZ?) Nein, es eben mehr, deswegen bin ich kein Freund von CW oder anderen Formen des Hobbys (Computer usw.). Der Ton eines Menschen zu Hören, seine Aussprache oder sein Lachen (kein HI), das sind für mich, die wichtigsten Dinge dieses Hobbys, meiner Meinung nach!! Gruß aus Gustavsburg nähe Mainz vom Norbert DL1PF

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